Frühlicht

 

sanft bedränge ich den Nebel,

sammle mich im Tau,

gleite vom gelbbraunen Blatt,

wippe mit dem Gras und

folge dem Ruf der Kraniche,

um das Abendlicht zu umarmen,

bis ich gestärkt aufgehe.

 

**************************

Abendlicht

 

zart wecke ich den Nebel,

rutsche mit dem roten Blatt vom Geäst,

fange mich im Gruß des Waldkauzes,

hauche das Feuchte zu Kristall und

schaukle mit den Wellen,

um das Frühlicht zu küssen,

bis ich lächelnd untergehe. 


******************

welle


der ge(h)zeiten

rhythmus

nimmt dich mit

und bringt dich wieder


**************************** 

sandig

 der nasse Sand

wog schwer

wurde immer leichter

und rieselte seicht

zu seinesgleichen

********************** 

heiß 


im Dunst

des erhitzten Sandes

geschmolzen

versickert

in die Tiefe

um sich zu sammeln

********************** 

eingeschlossen

 

die Muschel

versteinert

vom Felsen

verschlossen

 

der Ozean

vergisst nie

er holt

sie zurück


************************** 

   Treibsand

 treibend

verloren

getragen

  bis es versinkt


 ************************* 


Federfrei


schwebe durch das Abendrot,
fang die letzten Sonnenstrahlen,
hüte sie,
schütze sie,
male ein schimmerndes Bild,
lege es sanft auf die Gischt,
damit die Dunkelheit nichts erlischt.


*******************************************

vergessen

der Himmel
nährt die Wolken
uns berührt
ihr Weinen

 **************************************

 

 Weg(wehen)

Alle kümmern sich um mich, 
ob ich möchte oder nicht.
Es wird meine Hand getätschelt, 
über mein Gesicht gestrichen, 
freundlich werde ich bedient.
Ja, das hab ich mir verdient.

„Trinken sollste und nichts essen." 
Doch ich tät gerne wahllos fressen.

Grinsend bin ich fündig,

von wegen, ich sei unmündig.

„Spürst du deine Wehen?"

„Sogar bis zu den Zehen."
Ich will's noch nicht verstehen, 
doch dann ist es geschehen.
Man presst mir einen Einlauf rein, 
der Darm entleert sich fein.
Kann man das nicht anders drehen?
„Jetzt noch baden und rutsch nicht aus."
Am liebsten spränge ich heraus. 
„Hopp, hopp ins Bett, die Fruchtblase platzt."
Oh Schreck, hab ich was verpasst?
Meine Beine sind gespreizt, 
nun reicht’s!
Eilig will ich protestieren, 
schwups, sind sie da zum Rasieren.
Plötzlich hört mein Ziehen auf, 
es ist wie beim Dauerlauf. 
Ich fühle Flüssigkeit entweichen, 
und hoffe, dass die Tücher reichen.
Peinlich berührt liege ich im Nassen, 
kann dies alles gar nicht fassen.
Ein Hammerschlag im Innern, 
das Hämmern wird noch schlimmer,
diese Schmerzen, heftig muss ich wimmern.
„Du darfst es nicht vergessen, 
du musst jetzt kräftig pressen."
„Gibt's keine Narkose?"
„Zu spät, betrachte die Rose,
atme tief und bleib entspannt.“
Der Vater ist schnell raus gerannt.
Es wird gequetscht, geschrien, gedrückt.
Das ist voll verrückt.
Ich fühle wie ich reiße und seh mein Kind, 
hässlich, wie ich zuerst find.

Niemand kümmert sich mehr um mich, 
das gibt mir einen gewaltigen Stich.
Meine Mutter eilt zu ihrem Enkel, 
da hau ich mir auf die Schenkel. 
„Hey, ich liege auch noch hier!"
„Schatz, du bist doch jetzt ein Muttertier."


ruhende Zeit

 

Am Montag ist es soweit. Meine Tochter fährt für vierzehn Tage nach Spanien. Ich nehme mir die Zeit, um mit ihr einzukaufen. Junge Damen brauchen wichtige Dinge des täglichen Gebrauchs, das ihr auswärtiges Überleben sichert. Deswegen erklärt sie mir sehr glaubwürdig, mindestens drei Paar Schuhe, sieben T-Shirts und drei Hosen zu benötigen. Ihre vier Monate alten Klamotten seien ja nun vollends alt und abgenutzt. Zur Krönung: auch noch unmodern. Genauso verhält es sich mit den vorhandenen Jacken.
Diese Logik erschreckt mich etwas. Was heißt erschreckt, muss ich mich eventuell schämen? Hastig schaue ich an mir herunter. Die Jeans, die in den letzten drei Jahren zum Vertrauten mutierte, sieht verwaschen aus. Bin ich out? Unmodern? Alt? Wo ist die Zeit nur geblieben? Dabei bin ich stolz darauf, eine passende Hose über die Jahre zu tragen. Da meine Gehirnzellen sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigen, kaufe ich ihr mehr Kleidungsstücke als nötig. Insgeheim ärgern mich die hohen Kosten, die mein Budget erheblich schmälern, doch ich genieße die Zeit mit ihr. Erledigt sind somit auch meine Unmodern-Alt-Fragen. Naja, was tut Mutter nicht alles für ein strahlendes Mädchengesicht, beruhige ich mich.
Innerlich frohlocke ich, bald vierzehn Tage für mich zu haben. Das ist Urlaub der besonderen Art. Die Zeit kann ich in Ruhe für mich verplanen und einteilen, ohne Rücksicht zu nehmen.

 

Gedanklich stimme ich mich auf Wellness, gemütliche Spaziergänge, abendliche Ausgänge mit Freunden, dahinlümmelndes Sofabesetzen und Lesen ein. Herrlich! Endlich Zeit und Ruhe für mich. Keine lästigen Probleme, die mein Nachwuchs täglich aufwirft. Keine zickenden Streitereien, die meine Nerven unnötig belasten. Kein ständiges Telefon- und Türgeläut. Das anstrengende Kochen und Einkaufen fällt ebenso weg, wie das Sorgen und Hetzen.
Montagmorgen, 7 Uhr. Mist! Wir haben verpennt. Oh, herrjemine, das ist jetzt nicht wahr. Aufgeregt wecke ich sie.
»Los! Aufstehen, mein Stern. In einer halben Stunde fährt dein Bus ohne dich.«
Verschlafen, verträumt und unglaublich niedlich wirft sie mir einen verständnislosen Blick zu und reibt sich die Augen. Meine Lütte, seufzt mein Herz.
Auf einmal hellwach, hüpft sie aus dem Bett. Das Verschlafene weicht einem Meckerredefluss. Sie muss noch dies und das und jenes und alles. Bei ihrem chaotischen Verhalten springt eine Hektik auf mich über, die meine Beine eiliger in die Küche laufen lassen, um Frühstück auf den Tisch zu bekommen. Ungewaschen, ungekämmt und gesichtsgestresst hetze ich ins Auto. Mein Kind sieht übrigens, wie frisch aus einer Modezeitschrift entsprungen aus.
Gerade noch rechtzeitig erreichen wir den Busbahnhof. Für ausgiebiges Verabschieden fehlt die Zeit. Flüchtig küsst sie mich, drückt sich kurz an meinen Oberkörper und hinterlässt ein paar Worte.
»Mama, genieße die Zeit ohne mich. Ich hab dich lieb. Tschau.«
Der Bus fährt los. Lächelnd winke ich ihr hinterher.

 

Weg ist sie, einfach weg.

Mir wird kalt, ich schlinge die Arme um meine Mitte. Der Wind sorgt für Tränen in den Augen. Langsam fahre ich nach Hause.

 

Zeit! Zeit für mich! Zeit für mich? 

Wo ist der Unterschied zwischen Ruhe und Zeit?

Was mach ich jetzt?

Jetzt habe ich Zeit, nur keine Ruhe.

Ich lege mich aufs Sofa, mir ist immer noch kalt.
Der Wind hört nicht auf, mir in die Augen zu wehen.

*******************************************

 

    

 

 

 

 


        

Bildergalerie

        

            Oder wählen Sie über "Inhalte einfügen" weitere interessante Module aus,             die Sie an die gewünschte Stelle positionieren können.         

    

 

 

 

 

Yuma

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alt hat Charakter ;-) manchmal zumindest
33880